Großkrotzenburg, 1. Dezember 2011. Bei der Sitzung des Kraftwerksforums Staudinger am Mittwoch, den 30. November, diskutierten die Forumsmitglieder über das wasserrechtliche Erlaubnisverfahren. Gerd Hofmann, Leiter des Dezernats Anlagenbezogener Gewässerschutz des Regierungspräsidiums Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt, war dazu Gast im Forum.
"Ein wasserrechtliches Erlaubnisverfahren brauchen wir zusätzlich zum immissionsschutzrechtlichen Verfahren, da mit dem Vorhaben eine Direkteinleitung in ein Gewässer verbunden ist", sagte Hofmann im Forum. In Bezug auf das Kraftwerk Staudinger geht es dabei um die Einleitung von Abwasser aus der Rauchgasreinigung, um Kühlwasser und Regenwasser. Beim Erörterungstermin mit den Trägern öffentlicher Belange (z.B. Behörden, Umweltverbänden) im September 2011 wurden verschiedene Einwände vorgebracht. "Alle Einwände und Gutachten zu dem Thema werden ernst genommen und geprüft", sagte Hofmann. Ein großer Diskussionspunkt sei bei dem Termin vor allem das Thema Quecksilberbelastung des Mains gewesen. Dazu brauche es einen so genannten Bewirtschaftungsplan, so Hofmann: Es müssten dabei die Auswirkungen aller am Main angesiedelter Industrien gemeinsam betrachtet werden. Hierzu muss das bestehende Maßnahmenprogramm aus dem Jahre 2009 fortgeschrieben werden. Das Forum bekräftigte auch noch einmal seine Forderung, dass in Zukunft alle Möglichkeiten zur Quecksilberminimierung genutzt werden sollten. Weitere kritische Fragen, die im Rahmen des Erörterungstermins aufkamen und die Dezernatsleiter Hofmann noch einmal aufgriff, betrafen unter anderem verfahrensrechtliche Fragen, die Wasserrahmenrichtlinie, den befürchteten Einfluss von Schadstoffen auf Boden und Grundwasser bei Hochwasser, den Stand der Technik für die Abwasserreinigung, die Fischscheuchanlage und den Naturschutz. Spätestens Anfang nächsten Jahres sei mit einer Entscheidung im wasserrechtlichen Erlaubnisverfahren zu rechnen.
Bei einer Bürgerveranstaltung des Kraftwerksforums zum Thema Bahnlärm im September 2010 erklärte sich E.ON bereit, eine feste Weichenschmieranlage zu installieren, um den Bremsgeräuschen der Kohlezüge entgegenzuwirken. Die Anlage ist seit dem 10. November in Betrieb. Kraftwerksleiter Edgar Kauhold bot im Forum an, nach einigen Monaten eine Nachmessung vom TÜV zu veranlassen und sich dann noch einmal mit den Anwohnerinnen und Anwohnern auszutauschen.
In das Forum wurde des Weiteren die Frage von einigen Bürgern eingebracht, warum trotz des neuen Kohlekreislagers noch Kohle auf der offenen Kohlehalde lagere. Dies ist laut E.ON notwendig, weil für die Blöcke 1 und 3 verschiedene Kohlesorten gemischt werden müssen. Mit nur einem der beiden geplanten Kreislager sei dies nicht möglich. Aus diesem Grund muss die zusätzliche Kohle weiterhin auf der Kohlehalde zwischengelagert werden. Die Hauptmenge der Kohle für den Betrieb des Kraftwerks werde jedoch über das geschlossene Kohlekreislager umgeschlagen.
Auch der Anstrich des Kühlturms von Block 4 war Thema im Forum. Die Idee ist, den Turm lichtgrau zu streichen und darüber hinaus einige hellblaue Streifen anzubringen. Vor kurzem wurden einige Farbstreifen zum Test auf den Beton des Kühlturms gemalt: Wer am Kraftwerk vorbeifährt, kann sich die Farbideen ansehen. „Bisher waren die Rückmeldungen der Bürger positiv“, sagte Kaufhold. Er sei aber weiterhin offen für Meinungen und Anregungen.