Hanau, 14. April 2011. Bei der Sitzung des Kraftwerksforums Staudinger am Mittwoch, den 13. April, beschäftigten sich die Forumsmitglieder mit den Ergebnissen der Pilotanlage zur CO2-Abscheidung, die auf dem Gelände des Kraftwerks Staudinger steht. Im September 2009 wurde die Anlage in Betrieb genommen. Gemeinsam mit Siemens testet E.ON dort das post-combustion carbon capture-Verfahren von Siemens (PostCapTM): Hierbei wird das CO2 nach der Verbrennung der Kohle durch spezielle Reinigungssubstanzen aus dem Rauchgas entfernt. Die Anlage wird mit einem Teil des Rauchgases von Block 5 betrieben. Katrin Raake von Siemens war zu Gast im Forum, um über erste Ergebnisse der Pilotphase zu berichten.
„Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, sagte Raake in Hinblick auf die Leistung der Pilotanlage. Über 90 Prozent des CO2 werden laut Raake aus dem Rauchgas abgetrennt. Außerdem liegt der mit dem Verfahren einhergehende Wirkungsgradverlust unter sechs Prozentpunkten und damit deutlich niedriger als vorab erwartet. Um das CO2 abzuscheiden, wird eine Aminosäuresalzlösung als Waschmittel eingesetzt. Die Aminosäuren kommen auch in der Natur vor, somit ist es besonders umweltfreundlich. Im Abscheidungs-Prozess mit dem Salz können keine Waschmittelemissionen nachgewiesen werden, so Raake. Es seien somit nach der Abscheidung keine weiteren Reinigungsstufen nötig. Des Weiteren wurde herausgefunden, dass sich durch den CO2-Abscheidungsprozess auch die Konzentration von Schwefel- und Stickoxiden im Rauchgas verringert.
Im Forum wurde die Möglichkeit zur CO2-Abscheidung begrüßt. Jedoch wurde auch darüber diskutiert, was nach der Abscheidung des CO2 geschehe. Da es zur Zeit noch keinen Beschluss darüber gebe, wo das CO2 gelagert werden könne, waren die Mitglieder des Forums unsicher, ob die Technologie der Abscheidung in Deutschland überhaupt ihre Anwendung finden werde. Auch E.ON Projektleiter Dr. Herbert Urban sieht hier noch einige Fragen offen. E.ON habe zwar im Zuge der Planungen für Block 6 auf dem Gelände des Kraftwerks Staudinger eine solche Anlage eingeplant. „Zu der Frage, was mit dem abgeschiedenen CO2 passieren wird“, so Urban, „bedarf es aber vor allem eindeutiger Entscheidungen aus der Politik.“