Kraftwerksforum diskutiert über die Rauchgasableitung über den Kühlturm

Themen: Auswirkungen der Rauchgasableitung über den Kühlturm /Rückblick auf den Erörterungstermin des Raumordnungsverfahrens/CO2-Abscheideanlage
Großkrotzenburg, den 27. April 2009. Bei der 14. Sitzung des Kraftwerksforums Staudinger sprachen die Teilnehmenden zusammen mit dem Experten Christian Böhle vom Unternehmen SPX Cooling Technologies GmbH über die Auswirkungen der Rauchgasableitung über den Kühlturm. Außerdem blickten die Forumsmitglieder auf den offiziellen Erörterungstermin zum Raumordnungsverfahren zurück. Des Weiteren diskutierte das Forum über die CO2-Abscheide Pilotanlage, die zu Forschungszwecken am Block 5 am Standort Staudinger gebaut wird. Die Inbetriebnahme ist für September 2009 geplant. Die nächste Sitzung des Kraftwerksforums findet am 08. Juli 2009 statt.


Bei der heutigen Sitzung beschäftigte sich das Forum mit den Auswirkungen der Rauchgasableitung über den Kühlturm. Das Thema Rauchgasableitung kam zuletzt im Rahmen des öffentlichen Erörterungstermins des Raumordnungsverfahrens Ende März auf. Einwender vermuteten, dass die Rauchgasableitung über den Kühlturm eine höhere Schadstoffkonzentration in der direkten Umgebung des Kraftwerks zur Folge haben könnte. Im neuen Block 6 werden die Rauchgase direkt über den Kühlturm abgeleitet und nicht, wie bei der Kamintechnik, über einen Kamin.
Als Experte hatte das Forum Christian Böhle von der SPX Cooling Technologies GmbH eingeladen. Die Firma ist mit der Installation der Kühltechnik und der Rauchgasableitung im neuen Block 6 am Standort Staudinger beauftragt.
Im Block 6 werde ein so genannter Naturzugnasskühlturm gebaut, erklärte Böhle. Der Vorteil hierbei sei, dass das Wasser ohne den Einsatz zusätzlicher Energie gekühlt werde. Bei der Ableitung der Kühlschwaden über den Kühlturm komme es zu einer Impulsübertragung, wodurch die Rauchgase in deutlich höhere Höhen gelangen und sich besser als bei der Kamintechnik verteilten. Auch bei ungünstigen Wetterlagen, beispielsweise bei dichten Wolkendecken, drängen die über den Kühlturm abgeschiedenen Rauchgase besser als bei der alten Technik durch die Wolkendecke durch. Somit würden durch diese Technik die Immissionen insbesondere im näheren Umfeld des geplanten Kraftwerks reduziert. Das Forum wünscht sich in einer der nächsten Sitzungen das Thema weiter zu vertiefen.

Des Weiteren resümierten die Forumsteilnehmer den offiziellen Erörterungstermin zum Raumordnungsverfahren: Das Forum lobte vor allem die sachliche und informative Atmosphäre während der zwei Wochen. Ein Forumsmitglied nahm Bezug auf einen aktuellen Pressebericht, in dem E.ON vorgeworfen wird, dass die versprochenen Schadstoffwerte nicht einhalten werden könnten. Jens-Uwe Freitag von E.ON Kraftwerke bekräftigte daraufhin: „E.ON wird sein Versprechen halten. Wir sind auch bereit, unser Versprechen vertraglich zu fixieren. In die Anlage wird die beste Technik eingebaut, die Garantiewerte sind Benchmark.“
Zu der Frage eines Forumsmitglieds, warum ein 1100 MW und kein 800 MW Kraftwerk gebaut werde, erklärte Freitag, dass der Bedarf für die Strommenge im Land Hessen noch deutlich größer wäre. Daneben sei ein 1100 MW Kraftwerk effizienter zu betreiben. Es könne auch unregel-mäßige Netzauslastungen, die vor allem durch die Windkraft entstünden, besser ausgeglichen werden.

Des Weiteren informierten sich die Forumsmitglieder über die geplante CO2-Abscheideanlage am Standort Staudinger. In der zwölften Sitzung hatte sich das Forum bereits mit den technischen Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von CO2 beschäftigt. Freitag erklärte, dass E.ON zusammen mit Siemens und InfraServ Höchst in Staudinger die erste Pilotanlage in Deutschland zur CO2-Abscheidung baue. In der Anlage werde das so genannte Post-Combustion-Verfahren getestet. Dabei werde vom gereinigten  Rauchgas CO2 abgeschieden. In der Pilotanlage werde jedoch nur ein Teilstrom von 140 Normkubikmetern die Stunde entnommen. In der zweijährigen Phase werde erforscht, wie der Prozess der CO2- Abscheidung effizienter gestaltet werden könne. Bei der geplanten Anlage handle es sich um eine Forschungsanlage, das abgeschiedene CO2 werde danach wieder in die Umwelt abgegeben, so Freitag.

Die nächste Sitzung des Kraftwerksforums Staudinger findet am 08. Juli statt. Hier wird sich das Forum u. a. mit dem Potenzial regenerativer Energien befassen und das Thema CO2- Abscheidung vertiefen.