Sachaufklärung zu gesundheitlichen Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs
Keine Folgen für Gesundheit wegen zusätzlicher Belastung der Blöcke 4, 5, 6 / Kritik an gesetzlichen Grenzwerten / Forderung nach weiterer Reduktion der Emissionen
Hanau Großauheim, den 30. Januar 2008. Im Zentrum der heutigen Sitzung des Kraftwerksforums stand die Sachaufklärung zu den gesundheitlichen Auswirkungen des heutigen und zukünftigen Kraftwerksbetriebs. Dazu diskutierten die Teilnehmer des Forums mit externen Experten.
Diskussion zu gesundheitlichen Auswirkungen: Den Einstieg in die Diskussion zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs bildete ein Vortrag von Professor Thomas Eikmann. Die Schlussfolgerungen seiner Untersuchung: Die zusätzlichen Emissionen der Blöcke 4, 5, 6 veränderten die vorhandene Immissionsbelastung praktisch nicht. Negative Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung in den Gemeinden rund um das Kraftwerk seien dadurch nicht zu erwarten. Auch das Krebsrisiko ändere sich durch die zusätzlichen Emissionen des Kraftwerks praktisch nicht.
Einige Teilnehmer des Forums kritisierten die der Untersuchung zugrunde gelegten gesetzlichen Grenzwerte. Man solle sich nicht nach den bisherigen Grenzwerten richten, sondern die zukünftigen Grenzwerte der EU zur Grundlage nehmen. Diese seien am Schutzgut Mensch und nicht nur am technisch Machbaren orientiert. Man wolle eine Verbesserung der derzeitigen Belastung in der Region erreichen. Hierzu müsse auch das Kraftwerk seinen Beitrag leisten. Andere Varianten als der Bau des Block 6 seien besser geeignet, die Emissionsbelastung in der Region zu verringern. Aus Sicht von Professor Eikmann müsse man sich nicht auf die Kraftwerke, sondern auf den Straßenverkehr und Hausbrand als die Hauptquellen der Emissionen konzentrieren. So könne man die Belastung deutlich reduzieren. In jedem Fall sei jedoch aus Vorsorgegründen langfristig eine deutliche Reduzierung der Immission von NO2 und Feinstaub notwendig.
Der Einschätzung von Professor Eikmann zu den gesundheitlichen Folgen wurde von einigen Teilnehmern des Forums widersprochen. Die Bewertung entspräche beispielsweise nicht den berichteten Beschwerden der Patienten in der Region. Es fehle auch an epidemiologischen Untersuchungen, um die gesundheitlichen Folgen richtig zu bewerten. Professor Eikmann bestätigte das Vorhandensein dieser berichteten Beschwerden. Ein Zusammenhang zu den Immissionen sei jedoch nur schwer herzustellen. In jedem Fall gäbe es mehrere Untersuchungen, die eine Bewertung der gesundheitlichen Folgen zulassen.
Messung der Vorbelastung: Vor der Diskussion der gesundheitlichen Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs stand ein Vortrag zur Untersuchung von Herrn Angelkötter des TÜV Süd zur Vorbelastung in der Region (Untersuchungszeitraum April 2007 bis April 2008). Entsprechend der Messergebnisse des ersten Halbjahres könne festgestellt werden, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Immissionsgrenzwerte unterschritten werden. Die Schadstoffemissionen des Kraftwerks hätten keinen signifikanten Einfluss. Die Vorbelastung sei weitestgehend durch die Grundbelastung und lokale Quellen, wie zum Beispiel Verkehr. Hausbrand oder Gewerbebetriebe, verur-sacht. Von Seiten der Forumsteilnehmer wurde angemerkt, dass einige Abweichungen zwischen den Messstellen schwer nachvollziehbar seien. Der Experte des TÜV Süd erklärte hierzu, dass der lokale Einfluss an den Messstellen sehr stark sei, wie zum Beispiel die Belastung durch Verkehr. Dies erkläre die starken Abweichungen.
Diskussion zu Variantenprüfung im ROV: Neben dem Haupttagesordnungspunkt gesundheitliche Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs wurde von Seiten einiger Teilnehmer die Variantenprüfung des Raumordnungsverfahrens (ROV) kritisiert. Hier seien weitere Varianten denkbar, die bisher nicht für eine Prüfung vorgesehen seien. E.ON wies darauf hin, dass diese Kritik im Rahmen des Verfahrens durch Einwendungen eingebracht werden könne. Das Regierungspräsidium entscheide dann über den Prüfungsumfang des ROV. Von den Teilnehmern wurde darüber hinaus gewünscht, dass weitere Varianten auch im Kraftwerksforum gemeinsam diskutiert werden. Diesen Wunsch entsprechend wird dieser Punkt in der nächsten Sitzung des Forums aufgegriffen.
Die nächste Sitzung des Kraftwerksforums findet am 28. Februar 2008 statt.